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DIKKAT! Wir kommen!
Eine deutsch-türkische Entschleierung
Zur
Neuregelung des Staatsangehörigkeitsrechts von Christel Schief
Seit dem 1.Januar 2000 gelten neue Regelungen
für den Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit durch Geburt
und für die Einbürgerung. Künftig können in
Deutschland geborene Kinder ausländischer Eltern durch Geburt
neben der Staatsangehörigkeit ihrer Eltern auch die deutsche
Staatsangehörigkeit erwerben. Sie sind verpflichtet sich nach der
Vollendung des 23. Lebensjahres für eine der beiden
Staatsangehörigkeiten zu entscheiden. Kinder ausländischer
Eltern unter 10 Jahren besitzen einen auf das Jahr 2000 befristeten
Anspruch auf Einbürgerung, wenn sie in Deutschland geboren sind
und die Eltern bestimmte Bedingungen erfüllen. Einen Anspruch auf
Einbürgerung besitzen auch Ausländerinnen und Ausländer,
die sich seit acht Jahren rechtmäßig für dauernd in
Deutschland aufhalten.
Der Film "DIKKAT - Wir kommen" wurde von der Filmemacherin Yola Grimm
zusammen jungen Türkinnen realisiert. Die Protagonistinenn sind
hier geborenen und aufgewachsenen. Sie wurden Zeit ihres Lebens als
Ausländerinnen in Deutschland behandelt und die sich in diesem
Land, nach den Aussagen im Film, deshalb auch immer als
Ausländerinnen gefühlt haben. Für diese Generation von
jungen Türkinnen ändern die neuen gesetzlichen Regelungen
wenig. Sie sind in einem Alter, in dem sie sich auch nach dem
geänderten Gesetz entweder für die türkische oder die
deutsche Staatsbürgerschaft entscheiden müssen. Sie sind
nach wie vor in dem Dilemma, dass sie sowohl in den Traditionen der
türkischen Herkunftsfamilie, als auch in der deutschen
Gesellschaft verwurzelt sind. Sie sind ihrem Lebensgefühl nach
beides, Türkinnen und Deutsche. Wenn sie aber
"Ausländerinnen" vor dem Gesetz bleiben, werden sie weiter die
durch das Ausländergesetz festgelegten Diskriminierungen
akzeptieren müssen. Sie können z.B., obwohl seit Geburt in
Deutschland ansässig, an keiner Wahl teilnehmen.
Der Film erzählt davon, wie die türkischen jungen Frauen ihre
deutsche Umgebung, aber auch ihre türkische Familie erleben. Die
türkischstämmigen, in Deutschland geborenen Kinder werden
zwar ab Januar 2000 nun von den rechtlichen Bedingungen her
deutschsstämmigen Kindern gleichgestellt. Wenn sie und ihre
älteren Geschwister aber in den Köpfen der
Deutschstämmigen und auch in den Köpfen ihrer Eltern nicht
als Deutsche akzeptiert werden, wird ihnen ein deutscher Pass wenig
nützen. Der Film zeigt das deutlich. Das macht nach wie vor seine
Aktualität aus. Er ist eine offene Auseinandersetzung der jungen
türkischen Frauen, die diesen Film in der Konzeption und auch als
Darstellerinnen prägen, mit den widersprüchlichen
familiären und gesellschaftlichen Vorgaben, die ihr Leben
bestimmen.
In der taz vom 23.05.2000 schreibt Ömer Erzeren in einem Kommentar
zu der Tatsache, dass selbst zahlreiche Türkinnen und Türken
mit deutschem Pass nach dem UEFA-Cup-Sieg der türkischen
Fussballmannschaft Galatasaray Istanbul in beispielloser Freude auf den
Strassen gefeiert hätten. Er meint darin äussere sich kein
Nationalismus, sondern Protest gegen Ausgrenzung und
Assimilationsdruck. Die erfolgreiche Unterschriftenaktion der CDU gegen
die Möglichkeit der doppelten Staatsangehörigkeit und die
Kampagne "Kinder statt Inder" habe die Atmosphäre erneut vergiftet
und das Verhältnis der Migranten zu Deutschland nachhaltig
traumatisiert.
Beim Betrachten des von Migranten-Kindern dargestellten Films "DIKKAT -
Wir kommen!" ist dieses Verhältnis spannend und anrührend zu
erleben.
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